Hungertuch 2011
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Das MISEREOR-Hungertuch zum „Jüngsten Gericht“ (Mt 25,31ff)
In der MISEREOR-Fastenaktion sind wir auch in diesem Jahr eingeladen, das Erbarmen Gottes mit der Welt zu teilen. Damit sind wir eingeladen, nicht wegzuhören, wegzuschauen oder abzustumpfen, sondern wahrzunehmen, was ist.
Die rasante Verstädterung der Welt, vor allem in Lateinamerika, Afrika und Asien, der unaufhaltsame Trend zur Urbanisierung: Die Menschheit als Ganzes ist davon betroffen.
Und es ist nicht immer ein schönes Leben, das die Menschen in der Stadt erwartet. Schon heute lebt jeder 6. Mensch weltweit in den Elendsvierteln der großen Städte. Unter dem Leitwort „Menschenwürdig leben. Überall!“ greift MISEREOR dieses Thema in der Fastenaktion 2011 auf. – Menschsein unter Bedingungen, die unmenschlich sind.
Schauen wir hin.
Mit dem Hungertuch zum „Jüngsten Gericht“, gestaltet durch den Künstler Sokey Edorh aus Togo, greift MISEREOR eines der zentralen Themen christlicher Lebenspraxis auf:
Wie sollen wir uns heute in unserer globalisierten Welt mit ihren Spannungen und Ungerechtigkeiten verhalten?
Was sagt uns in einer solchen Zeit die grundlegende Anleitung Jesu für das Leben und Überleben:
„Was ihr für die geringsten meiner Schwestern und Brüder getan habt, das habt ihr mir getan?“
Der Künstler Sokey Edohr verlagert die Gerichtsszene in ein Elendsviertel eines der Ballungszentren Afrikas.
S1: Bin fremd, wurde von meinem Land vertrieben.
Ein Rohstofflieferant wollte dort Phosphat abbauen. Das geht ins Ausland. Die Abfindungssumme war so gut wie nichts. Hier im Slum fehlt mir meine Großfamilie, der Zusammenhalt unserer Dorfgemeinschaft. Habe keine Wurzeln mehr, finde nur schwer neuen Kontakt. Bin fremd.
S1: Das pulsierende Leben eines Slums ist für Fremde auf den ersten Blick kaum überschaubar.
Für uns mit unseren geordneten Städten und Dörfern in Deutschland wirkt solch ein Elendsviertel schlichtweg chaotisch.
Der Künstler jedoch strukturiert und schafft Übersicht, indem er die einzelnen Szenen des Jüngsten Gerichts ins Bild setzt. Mehr noch. Er schreibt es in unsere Zeit fort.
S2: Bin durstig, weiß nicht, wo ich sauberes Trinkwasser herbekommen soll, ist Mangelware im Slum. Nur Abwasser gibt es genug. Manchmal fließt es mitten durch unsere Hütten. Auch Wasser zum Waschen fehlt. Eine Toilette muss ich teilen mit Hunderten, vielleicht sind es sogar Tausende. Habe Durst nach klarem Wasser.
S2: Zweifellos springt als erstes die Frau im Vordergrund des Bildes ins Auge:
In leuchtenden Farben und im Vergleich zu allem anderen übergroß gemalt, zieht sie einen Karren mit einem Wasserfass. Zwei Kinder schieben mächtig.
Es geht um die leidenden Personen einerseits und zugleich um Perspektiven.
Wie kann das Grundbedürfniss auf Wasser erfüllt werden?
Welches sind die Ursachen, dass heute mehr als eine Milliarde Menschen kein sauberes Trinkwasser haben?
S3: Bin nackt, fühle mich ungeschützt, ausgeliefert. Die Wände meiner Hütte haben Löcher. Jeder kann hereinschauen. Habe keine Privatsphäre. Keine Tür mit Sicherheitsschloss. Manchmal traue ich mich als Frau nicht mehr nach draußen. Wenn es früh dunkel wird, ist der Gang zur Latrine gefährlich. Vergewaltigungen gibt es oft. Bin ungeschützt. Bin nackt.
S3: Neben der kräftigen Frau im Vordergrund finden wir auf der linken Seite einen traditionellen Weber. Die Menschen in Togo besinnen sich auf ihre Traditionen und stellen ihre Kleidung selber her. Das schafft Arbeitsplätze und ermöglicht erste Ansätze, eine eigene kleine Industrie aufzubauen.
Zeit des Heiligen Geistes
Lenken wir nun den Blick in die Mitte des oberen Bildrandes:
Das Symbol des Heiligen Geistes – die Taube – schwebt in einem goldenen Kreis über einem afrikanischen Königsthron. Der Weltenrichter hat noch nicht Platz genommen.
Unser Blick bleibt hängen an 4 weißen Schafen, die im Meer zu grasen scheinen, oder eher am Himmel?.
Im Gericht wird der Weltenrichter auf dem Thron Platz nehmen und die Gerechten von den Sündern scheiden, so wie man Schafe von Böcken trennt oder weiße von schwarzen Schafen.
Noch ist die Zeit des Heiligen Geistes: Zeit, unser persönliches, familiäres und gemeindliches Leben, das gesellschaftliche und weltweite Leben auszurichten an der Verkündigung Jesu.
Vom Symbol des Heiligen Geistes geht ein Dreieck aus, das sich nach unten – in die Welt – öffnet. Dieses lichterfüllte Dreieck, so der Künstler, ist Ausdruck und Bild des Wirkens des göttlichen Geistes. Es ist die Verbindung von Himmel und Erde, von Gott und den Menschen.
S4: Bin hungrig, lebe im Slum von den Abfällen der großen Stadt. Spüre täglich, wie sich der Hunger anfühlt. Es gibt keine regelmäßige Arbeit, kein Geld für mich. 8 von 10 Menschen im Slum geht es so. Wir suchen uns Gelegenheitsarbeiten, auch wenn sie noch so hart und schmutzig sind. Wir wollen überleben. Unsere Kinder weinen. Haben Hunger.
S4: Der Inhalt der Rede Jesu Christi von Mt25,31ff ist klar:
Hungernde müssen zu essen haben. Dürstende zu trinken.
Der Mensch braucht Kleidung und Wohnung.
Er braucht medizinische Betreuung, wenn er krank ist.
Kurzum, es geht um die menschlichen Grundrechte.
S5: Bin krank, im Slum gibt es keine organisierte Krankenversorgung. Keine Gesundheitsvorsorge. Unsere Lebensverhältnisse machen krank: Hunger, ungenießbares Wasser, schlechte Luft, Dämpfe und Gifte, keine Kanalisation, Schmutz. Es fehlen Hygiene und Bildung. Bin noch so jung und krank.
S5: Der Künstler setzt die Rede Jesu Christi auf unterschiedliche Weise ins Bild.
Da ist zunächst die direkte Hilfe: Unmittelbar unter dem Thron wird ein Kranker versorgt.
Darunter erhalten zwei Personen Trinkwasser.
Daneben werden jedoch auch komplexe Zusammenhänge aufgezeigt, z.B. Hungernden zu essen geben: Das Auto eines Kleinhändlers bringt Lebensmittel in das Elendsviertel. Sie stammen von einem Feld, auf dem Kleinbauern das tägliche Brot für die Tische der Menschen erarbeiten.
Über dem Karren mit dem Wasserfass ist eine Gruppe beim Unterricht zu sehen. Also können wir formulieren: „Ich konnte nicht in die Schule gehen, aber ihr habt mir dazu verholfen.“ Da Bildung ein Menschenrecht ist, hat der Künstler diesen Aspekt mit aufgenommen.
Oder links unten im Bild sehen wir Kinder beim Spiel. Gegen die weltweit immer noch verbreitete Kinderarbeit gilt: „Ich konnte nicht spielen, aber ihr habt mir zu einer kindgerechten Entwicklung verholfen.“ Wir wissen inzwischen wie Wichtig das Spiel für die Entwicklung von Kindern ist.
S6: Bin obdachlos, vor kurzem haben sie eine Säuberungsaktion durchgeführt. Der Bagger hat die Hütten unseres Slums dem Erdboden gleichgemacht. Für neue Straßen und schöne Häuser, für Leute mit Geld. Fast alle im Slum hatten Miete für ihre Hütte bezahlt. Die Zwangsumsiedlung brachte uns weit weg. Hier gibt es keine Verdienstmöglichkeit, keine Verkehrsanbindung. Bin ohne Landrecht, ohne Wohnrecht, bin obdachlos.
S6: Die Welt der Hochhäuser dringt selbst in die Slums hinein. Mit Bulldozern werden sogar Hütten zerstört.
Spekulationsblasen, durch anstands- und rücksichtslose Finanzspekulationen, die von der Realwirtschaft abgekoppelt sind, verursachen Gefährdungen in der Weltwirtschaft. Es entstehen Verschuldungen und Armut bis in die kommenden Generationen hinein:
Symbolisch steht hierfür die Werbereklame „Lehman Brothers“ auf den Gebäuden rechts oben. Der Mensch und das menschliche Antlitz gingen verloren:
„Ich war hungrig, doch ihr giertet lediglich nach immer höheren Renditen.“
S7: Bin im Gefängnis, als Slumbewohner gelte ich als Sicherheitsrisiko. Man nimmt uns die Menschenwürde. Es gibt kaum Möglichkeit, unsere Grundbedürfnisse zu stillen. Man tut uns Gewalt an, schließt uns aus. Zu Unrecht. Das ist ein Teufelskreis. Was bleibt unseren Kindern im täglichen Kampf ums Überleben? Wir wollen nicht kriminell, nicht gewalttätig sein. Sperrt uns nicht ein im Slum!
S7: Der Künstler malte auf der linken Seite das Gitter eines Gefängnisse,. ganz bewusst kein ganzes Gefängnis.
Denn - so sagt er – die Lebenssituation im Elendsviertel gleicht der eines Gefängnisses. Und wer dieser Situation – z.B. im Boot – entfliehen will (rechts oben), wird erfahren:
Ich war fremd und obdachlos, und ihr habt mich nicht aufgenommen.
Der steigende Meeresspiegel in den Flussdeltagebieten der Erde und der Inselstaaten wird Millionen Menschen zur Migration zwingen.
Und die Kirche?
Wie lebt die Kirche in den Elendsvierteln?
Auf dem Hungertuch springt hierzu aus der linken Hälfte am stärksten die Prozession mit dem Kreuz und den Spruchbändern ins Auge.
Das Leben im Elendsviertel, das Leben der Armen dieser Welt: dargestellt als Kreuzweg! Zwei Spruchbänder sind zu sehen: Jesu Wort am Kreuz „Mich dürstet“ („J’ai soif). Es ist der Durst der Armen nach „lebendigem Wasser“ und Gerechtigkeit.
Und Jesu Wort „Vater, vergib ihnen“ („Pardonne-leur“), denn sie wissen nicht, was sie tun“.
weist die Richtung zu einer Versöhnung in einer unversöhnten Welt.
Neben zwei kleinen Kreuzen auf Hütten im Slum verweist rechts oben im Bild die zwischen den Hochhäusern „klein gewordene“ Kirche aus Stein auf die Verkündigung der Botschaft Jesu:
Nelson Mandela arbeitete die Vergangenheit unblutig auf. Er setzte eine Wahrheitskommission ein. An die Stelle der Abrechnung trat die Vergebung.
Die rasante Verstädterung der Welt, vor allem in Lateinamerika, Afrika und Asien, der unaufhaltsame Trend zur Urbanisierung: Die Menschheit als Ganzes ist davon betroffen.
Und es ist nicht immer ein schönes Leben, das die Menschen in der Stadt erwartet. Schon heute lebt jeder 6. Mensch weltweit in den Elendsvierteln der großen Städte. Unter dem Leitwort „Menschenwürdig leben. Überall!“ greift MISEREOR dieses Thema in der Fastenaktion 2011 auf. – Menschsein unter Bedingungen, die unmenschlich sind.
Schauen wir hin.
Mit dem Hungertuch zum „Jüngsten Gericht“, gestaltet durch den Künstler Sokey Edorh aus Togo, greift MISEREOR eines der zentralen Themen christlicher Lebenspraxis auf:
Wie sollen wir uns heute in unserer globalisierten Welt mit ihren Spannungen und Ungerechtigkeiten verhalten?
Was sagt uns in einer solchen Zeit die grundlegende Anleitung Jesu für das Leben und Überleben:
„Was ihr für die geringsten meiner Schwestern und Brüder getan habt, das habt ihr mir getan?“
Der Künstler Sokey Edohr verlagert die Gerichtsszene in ein Elendsviertel eines der Ballungszentren Afrikas.
S1: Bin fremd, wurde von meinem Land vertrieben.
Ein Rohstofflieferant wollte dort Phosphat abbauen. Das geht ins Ausland. Die Abfindungssumme war so gut wie nichts. Hier im Slum fehlt mir meine Großfamilie, der Zusammenhalt unserer Dorfgemeinschaft. Habe keine Wurzeln mehr, finde nur schwer neuen Kontakt. Bin fremd.
S1: Das pulsierende Leben eines Slums ist für Fremde auf den ersten Blick kaum überschaubar.
Für uns mit unseren geordneten Städten und Dörfern in Deutschland wirkt solch ein Elendsviertel schlichtweg chaotisch.
Der Künstler jedoch strukturiert und schafft Übersicht, indem er die einzelnen Szenen des Jüngsten Gerichts ins Bild setzt. Mehr noch. Er schreibt es in unsere Zeit fort.
S2: Bin durstig, weiß nicht, wo ich sauberes Trinkwasser herbekommen soll, ist Mangelware im Slum. Nur Abwasser gibt es genug. Manchmal fließt es mitten durch unsere Hütten. Auch Wasser zum Waschen fehlt. Eine Toilette muss ich teilen mit Hunderten, vielleicht sind es sogar Tausende. Habe Durst nach klarem Wasser.
S2: Zweifellos springt als erstes die Frau im Vordergrund des Bildes ins Auge:
In leuchtenden Farben und im Vergleich zu allem anderen übergroß gemalt, zieht sie einen Karren mit einem Wasserfass. Zwei Kinder schieben mächtig.
Es geht um die leidenden Personen einerseits und zugleich um Perspektiven.
Wie kann das Grundbedürfniss auf Wasser erfüllt werden?
Welches sind die Ursachen, dass heute mehr als eine Milliarde Menschen kein sauberes Trinkwasser haben?
S3: Bin nackt, fühle mich ungeschützt, ausgeliefert. Die Wände meiner Hütte haben Löcher. Jeder kann hereinschauen. Habe keine Privatsphäre. Keine Tür mit Sicherheitsschloss. Manchmal traue ich mich als Frau nicht mehr nach draußen. Wenn es früh dunkel wird, ist der Gang zur Latrine gefährlich. Vergewaltigungen gibt es oft. Bin ungeschützt. Bin nackt.
S3: Neben der kräftigen Frau im Vordergrund finden wir auf der linken Seite einen traditionellen Weber. Die Menschen in Togo besinnen sich auf ihre Traditionen und stellen ihre Kleidung selber her. Das schafft Arbeitsplätze und ermöglicht erste Ansätze, eine eigene kleine Industrie aufzubauen.
Zeit des Heiligen Geistes
Lenken wir nun den Blick in die Mitte des oberen Bildrandes:
Das Symbol des Heiligen Geistes – die Taube – schwebt in einem goldenen Kreis über einem afrikanischen Königsthron. Der Weltenrichter hat noch nicht Platz genommen.
Unser Blick bleibt hängen an 4 weißen Schafen, die im Meer zu grasen scheinen, oder eher am Himmel?.
Im Gericht wird der Weltenrichter auf dem Thron Platz nehmen und die Gerechten von den Sündern scheiden, so wie man Schafe von Böcken trennt oder weiße von schwarzen Schafen.
Noch ist die Zeit des Heiligen Geistes: Zeit, unser persönliches, familiäres und gemeindliches Leben, das gesellschaftliche und weltweite Leben auszurichten an der Verkündigung Jesu.
Vom Symbol des Heiligen Geistes geht ein Dreieck aus, das sich nach unten – in die Welt – öffnet. Dieses lichterfüllte Dreieck, so der Künstler, ist Ausdruck und Bild des Wirkens des göttlichen Geistes. Es ist die Verbindung von Himmel und Erde, von Gott und den Menschen.
S4: Bin hungrig, lebe im Slum von den Abfällen der großen Stadt. Spüre täglich, wie sich der Hunger anfühlt. Es gibt keine regelmäßige Arbeit, kein Geld für mich. 8 von 10 Menschen im Slum geht es so. Wir suchen uns Gelegenheitsarbeiten, auch wenn sie noch so hart und schmutzig sind. Wir wollen überleben. Unsere Kinder weinen. Haben Hunger.
S4: Der Inhalt der Rede Jesu Christi von Mt25,31ff ist klar:
Hungernde müssen zu essen haben. Dürstende zu trinken.
Der Mensch braucht Kleidung und Wohnung.
Er braucht medizinische Betreuung, wenn er krank ist.
Kurzum, es geht um die menschlichen Grundrechte.
S5: Bin krank, im Slum gibt es keine organisierte Krankenversorgung. Keine Gesundheitsvorsorge. Unsere Lebensverhältnisse machen krank: Hunger, ungenießbares Wasser, schlechte Luft, Dämpfe und Gifte, keine Kanalisation, Schmutz. Es fehlen Hygiene und Bildung. Bin noch so jung und krank.
S5: Der Künstler setzt die Rede Jesu Christi auf unterschiedliche Weise ins Bild.
Da ist zunächst die direkte Hilfe: Unmittelbar unter dem Thron wird ein Kranker versorgt.
Darunter erhalten zwei Personen Trinkwasser.
Daneben werden jedoch auch komplexe Zusammenhänge aufgezeigt, z.B. Hungernden zu essen geben: Das Auto eines Kleinhändlers bringt Lebensmittel in das Elendsviertel. Sie stammen von einem Feld, auf dem Kleinbauern das tägliche Brot für die Tische der Menschen erarbeiten.
Über dem Karren mit dem Wasserfass ist eine Gruppe beim Unterricht zu sehen. Also können wir formulieren: „Ich konnte nicht in die Schule gehen, aber ihr habt mir dazu verholfen.“ Da Bildung ein Menschenrecht ist, hat der Künstler diesen Aspekt mit aufgenommen.
Oder links unten im Bild sehen wir Kinder beim Spiel. Gegen die weltweit immer noch verbreitete Kinderarbeit gilt: „Ich konnte nicht spielen, aber ihr habt mir zu einer kindgerechten Entwicklung verholfen.“ Wir wissen inzwischen wie Wichtig das Spiel für die Entwicklung von Kindern ist.
S6: Bin obdachlos, vor kurzem haben sie eine Säuberungsaktion durchgeführt. Der Bagger hat die Hütten unseres Slums dem Erdboden gleichgemacht. Für neue Straßen und schöne Häuser, für Leute mit Geld. Fast alle im Slum hatten Miete für ihre Hütte bezahlt. Die Zwangsumsiedlung brachte uns weit weg. Hier gibt es keine Verdienstmöglichkeit, keine Verkehrsanbindung. Bin ohne Landrecht, ohne Wohnrecht, bin obdachlos.
S6: Die Welt der Hochhäuser dringt selbst in die Slums hinein. Mit Bulldozern werden sogar Hütten zerstört.
Spekulationsblasen, durch anstands- und rücksichtslose Finanzspekulationen, die von der Realwirtschaft abgekoppelt sind, verursachen Gefährdungen in der Weltwirtschaft. Es entstehen Verschuldungen und Armut bis in die kommenden Generationen hinein:
Symbolisch steht hierfür die Werbereklame „Lehman Brothers“ auf den Gebäuden rechts oben. Der Mensch und das menschliche Antlitz gingen verloren:
„Ich war hungrig, doch ihr giertet lediglich nach immer höheren Renditen.“
S7: Bin im Gefängnis, als Slumbewohner gelte ich als Sicherheitsrisiko. Man nimmt uns die Menschenwürde. Es gibt kaum Möglichkeit, unsere Grundbedürfnisse zu stillen. Man tut uns Gewalt an, schließt uns aus. Zu Unrecht. Das ist ein Teufelskreis. Was bleibt unseren Kindern im täglichen Kampf ums Überleben? Wir wollen nicht kriminell, nicht gewalttätig sein. Sperrt uns nicht ein im Slum!
S7: Der Künstler malte auf der linken Seite das Gitter eines Gefängnisse,. ganz bewusst kein ganzes Gefängnis.
Denn - so sagt er – die Lebenssituation im Elendsviertel gleicht der eines Gefängnisses. Und wer dieser Situation – z.B. im Boot – entfliehen will (rechts oben), wird erfahren:
Ich war fremd und obdachlos, und ihr habt mich nicht aufgenommen.
Der steigende Meeresspiegel in den Flussdeltagebieten der Erde und der Inselstaaten wird Millionen Menschen zur Migration zwingen.
Und die Kirche?
Wie lebt die Kirche in den Elendsvierteln?
Auf dem Hungertuch springt hierzu aus der linken Hälfte am stärksten die Prozession mit dem Kreuz und den Spruchbändern ins Auge.
Das Leben im Elendsviertel, das Leben der Armen dieser Welt: dargestellt als Kreuzweg! Zwei Spruchbänder sind zu sehen: Jesu Wort am Kreuz „Mich dürstet“ („J’ai soif). Es ist der Durst der Armen nach „lebendigem Wasser“ und Gerechtigkeit.
Und Jesu Wort „Vater, vergib ihnen“ („Pardonne-leur“), denn sie wissen nicht, was sie tun“.
weist die Richtung zu einer Versöhnung in einer unversöhnten Welt.
Neben zwei kleinen Kreuzen auf Hütten im Slum verweist rechts oben im Bild die zwischen den Hochhäusern „klein gewordene“ Kirche aus Stein auf die Verkündigung der Botschaft Jesu:
Nelson Mandela arbeitete die Vergangenheit unblutig auf. Er setzte eine Wahrheitskommission ein. An die Stelle der Abrechnung trat die Vergebung.
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- Foto von Andrea Kulenkampff - |









